Die Gründung erfolgte am 8. Juli 1849 auf dem Rittersturz zu Koblenz. Die damals erstellte
Gründungsurkunde
sehen Sie neben diesem Text.
Wie damals üblich wurde der Text in Sütterlin verfasst. Für ein besseres Verständnis ist der Text hier
noch
einmal extra aufgeführt:
Im Namen des dreieinigen Gottes sei hier feierlich beurkundet:
Am 8. Tage des Julis im Jahre des Heils 1849 auf dem Höhenzug des Rittersturzs zu Coblenz haben sich
ehrbare und treue Männer versammelt, um die Gründung eines Vereins zu vollziehen. Dieser führt
fortan
den Namen Männergesamgsverein Liederkranz Harttrunk und setzt sich das Ziel durch gemeinnützige
Liederabende dem Wohle der Gemeinde, der Einigkeit des Volkes und der Pflege vaterländischer Bräuche
zu dienen. Die Gründungsmitglieder namentlich:
Johann Michael Brenner, Vorsitzender
Heinrich Lucas Schmelzer, Schriftführer
Ferdinand von Eicher, Kassenwart
Hans Joachim Tieftrunk
Adam Samuel Kremer
Aaron Lorenz Röder, Stellvertretung
Zum Dirigenten wurde gewählt: Hermann Friedrich Wolfram Hartleif
Vereinslokal wurde das Herrenhaus am Rhein-Moseleck
Historie des MGV-Liederkranz-Harttrunk 1849 e.V.M.
Die Gründung wird auf das Ende der Märzrevolution 1848 zurückgeführt. Unsere Gründungsväter suchten eine neue Möglichkeit sich weiter zu Treffen und Austauschen zu können, mit dem Traum von einem demokratischen Deutschland ohne Kaiser.
Gründung
Geschichtlicher Kontext
Im Folgenden wird der Geschichtliche Rahmen der Gründungszeit erläutert.
Die Wurzeln des Männergesangvereins (MGV) Liederkranz Harttrunks reichen in eine Zeit zurück, die von gesellschaftlichem Aufbruch und strukturellen Veränderungen geprägt war. Die 1830er- und 1840er-Jahre markierten in Deutschland eine Gründungswelle für Männergesangvereine – eine Bewegung, die sich aus dem aufkeimenden Bürgertum und dem Wunsch nach kultureller Gemeinschaftspflege speiste. Rechtlich verankert wurde diese Entwicklung 1849, als der Deutsche Bund die Führung eines Vereinsregisters vorschrieb. Während Gründungsurkunden heute oft nur fragmentarisch erhalten sind, zeugen Kassenbücher und Protokolle in Archiven von der strukturierten Organisation dieser frühen Vereine.
Der Rittersturz: Von Waldplateau zu gesellschaftlichem Mittelpunkt
Der Rittersturz, heute ein bekannter Aussichtspunkt in Koblenz, war zur Gründungszeit des Vereins kein urbaner Raum, sondern ein bewaldetes Plateau im Koblenzer Stadtwald. Geographisch südlich der späteren Karthause gelegen, gehörte das Gebiet damals zur „Gemarkung Koblenz“ und wurde als forstlicher Besitz geführt – ohne Zugehörigkeit zu einem Dorf oder Stadtteil. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann eine systematische Erschließung:
- Vor 1849: Teil des unberührten Stadtwaldes, ohne städtische Bebauung.
- 1849: Außengebiet ohne administrative Zuordnung (die Karthause entstand erst später als eigenständiger Stadtteil).
- Ab dem späten 19. Jh.: Durch die Ausweisung der Karthause als Stadtteil wurde der Rittersturz schrittweise in die städtische Verwaltung integriert.
Bis 1892 diente das Plateau ausschließlich als Aussichtspunkt und Waldgebiet. Mit der Eröffnung der ersten „Waldgaststätte“ im selben Jahr begann jedoch seine Transformation zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt – ein Wandel, der auch für den MGV Liederkranz Harttrunks von Bedeutung sein sollte.
Politische und administrative Rahmenbedingungen
Die Gründungsjahre des Vereins fielen in die Amtszeit von Friedrich Wilhelm Alexander Bachem (März 1847–1857), der als Oberbürgermeister von Koblenz die städtische Entwicklung in einer Phase des Übergangs prägte. Seine Amtszeit war geprägt von der Industrialisierung und der schrittweisen Verwaltungsmodernisierung, die auch die Vereinslandschaft beeinflusste. Während der Rittersturz zunächst außerhalb der städtischen Strukturen lag, zeigte sich hier bereits die Dynamik einer wachsenden Stadt, die später auch den Verein einbinden würde.